Liebesgrüße aus Moskau: Wie Russland den US-Wahlkampf beeinflusst hat

Kaum ein Thema hat den österreichischen Wahlkampf so beschäftigt, wie Fake-Seiten auf Facebook. Was aber jetzt in den USA ans Tageslicht kommt, spielt nochmals in einer komplett anderen Liga.

Wie Facebook, Twitter und andere Digitalkonzerne derzeit vor dem US-Senat berichten, wurde über Monate hinweg, vermutlich von russischen Firmen, der Präsidentschaftswahlkampf 2016 beeinflusst.

Es ging um viel mehr als die Präsidentschaft: Ziel war eine Spaltung der Gesellschaft

Wie Facebook derzeit an den US-Senat offenlegt, wurden über Fake-Seiten und Werbeanzeigen über 126 Millionen Menschen erreicht, inklusive der Werbung auf Instagram wurde diese Zahl inzwischen auf 146 Millionen erhöht. Diese Woche wurden die ersten von über 3.000 gesicherten Werbeanzeigen veröffentlicht. Zusätzlich sollen alleine auf Facebook 80.000 organische Postings veröffentlicht worden sein.

Und diese Veröffentlichungen zeigen, worum es wirklich geht. Es war nicht nur der Ausgang der Wahl im vergangenen November im Fokus, sondern eine tiefergehende Spaltung der Gesellschaft. Es ging um Unruhen zwischen Schwarzen und Weißen, um einen Spalt zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, zwischen Waffenbefürwortern und Waffengegnern.

Gesteuert wurde diese Anstrengungen offensichtlich in russischen „Troll-Fabriken“. Die Auswahl der Themen zeigt, dass die dortigen MitarbeiterInnen über tiefgreifendes Wissen über die amerikanische Gesellschaft und Politik verfügt haben.

Das „Helter Skelter“ des 21. Jahrhunderts

Um zu polarisieren und Konflikte zu erzeugen, wurden bereits bestehende Gräben innerhalb der Gesellschaft genutzt. Einer der bedeutendsten dieser Konflikte ist der Protest gegen Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern.

(Quelle: House Intelligence Committee)


(Quelle: House Intelligence Committee)

Auf eigens dafür eingerichteten Seiten wurde damit Stimmung gemacht. Der Name »Black Matter« erinnert dabei an die Black Lifes Matter Bewegung. Im Gegensatz dazu thematisieren andere Seiten Gewalt von AfroamerikanerInnen gegenüber PolizistInnen.

(Quelle: House Intelligence Committee)

In eine ähnliche Kerbe schlägt dieses Postings. Es soll Befürworter und Gegner von mehr Waffenkontrollen in den USA gegeneinander ausspielen.

Ist Hillary Clinton der Teufel?

Ein besonderes Feinbild der Propaganda-Postings scheint auch Hillary Clinton gewesen zu sein. In zahlreichen Postings wird sie als der Teufel dargestellt, gegen den es zu gewinnen gilt oder als Drahtzieherin hinter Obamas „unamerikanischer“ Politik.

(Quelle: House Intelligence Committee)

Dabei wurde auch in Kauf genommen Hillary Clintons größten Gegner innerhalb der Demokratischen Partei – Bernie Sanders – zu stärken. Es ging also augenscheinlich gar nicht darum, dass Donald Trump Präsident wird. Sondern mehr darum, einen Sieg Clintons zu verhindern.

(Quelle: House Intelligence Committee)

Unternehmensvertreter in der Kritik

Nach monatelangen Gerüchten kommt jetzt also die Wahrheit ans Licht. Im US-Repräsentantenhaus wurden Sonderkomitees eingerichtet in denen über die Vorwürfe und deren Drahtzieher ermittelt wird. Die Vertreter der Branchenriesen Facebook, Twitter und Google stehen in Erklärungsnot wie diese Vorgänge unbeobachtet auf ihren Plattformen ablaufen konnten.

Auch wenn die Plattformen selbst schon strengere Regeln und Transparenzmechanismen für ihre Services angekündigt haben, drohen US-Senatoren jetzt mit strengen gesetzlichen Auflagen, sollte das Problem nicht unter Kontrolle gebracht werden. Auch NETPEACE fordert strengere Regeln in der Plattformregulierung und ein Abrüsten im Cyberwar.