Herr Strache, bitte erinnern Sie ihre Funktionäre an das Fest der Liebe!

Bereiten Sie der Nikolo-Lüge ein Ende.

Es passiert so regelmäßig, man könnte den Adventskalender danach stellen. Jedes Jahr zu Beginn der Vorweihnachtszeit taucht auch die sogenannte „Nikolo-Lüge“ wieder auf.

„Der Nikolo darf nicht sterben.“ „Wir sagen Weihnachtsmarkt statt Wintermarkt.“ „Kein Nikolausverbot in Kindergärten.“

Worum geht es dabei?

In Medienberichten – und in den letzten Jahren auch verstärkt auch auf Sozialen Medien – wird berichtet, dass der Nikolaus nicht mehr öffentliche Kindergärten besuchen dürfe. Als vorgeschobener Grund werden dabei oft muslimische Kinder und ihre Eltern genannt, deren religiöse Gefühle nicht verletzt werden sollen.

Fordere Heinz-Christian Strache auf, dieser negativen Stimmungsmache ein Ende zu setzen.

Der Bundesparteiobmann der FPÖ Heinz-Christian Strache wird voraussichtlich der kommenden Bundesregierung als Vizekanzler angehören. Einige Funktionäre der FPÖ nutzen die Vorweihnachtszeit um gezielt Falschaussagen zu streuen und einen Keil in die Gesellschaft zu treiben.

Fordere Heinz-Christian Strache mit diesem Offenen Brief auf, an seine besondere Verantwortung als Politiker zu denken und dafür zu sorgen, dass seine Parteikolleginnen und -kollegen sich in Sozialen Netzwerken fair verhalten.

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Du willst Heinz-Christian Strache lieber einen Brief schreiben? Hier findet du den offenen Brief zum Herunterladen und Ausdrucken. Die Postadresse von Heinz-Christian Strache lautet.

Freiheitliche Partei Österreich
z.H. Heinz-Christian Strache
Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a
1080 Wien

Oder du möchtest lieber doch ein Fax senden? Lade den Offenen Brief herunter und faxe ihn an folgende Nummer: +43 1 512 35 35 9

Der Offene Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Strache,

ich wende mich an Sie als Bundesparteiobmann der FPÖ und als voraussichtlich zukünftiger Vizekanzler Österreichs.

In wenigen Wochen feiern wir das Weihnachtsfest. Die Zeit bis dahin gilt – besonders in der christlichen Tradition – als die friedlichste Zeit des Jahres, Weihnachten selbst als Fest der Liebe.

Wie Ihnen sicherlich nicht entgangen ist, befinden sich einige Funktionäre der FPÖ auf Facebook schon wieder im Wahlkampfmodus für die Landtagswahlen in Niederösterreich: Sie missbrauchen das Weihnachtsfest und die damit verbundenen Traditionen dazu, negative Stimmung zu machen und verbreiten über Soziale Medien Sujets, die bei den Bürgerinnen und Bürgern für Verwirrung sorgen.

Hier einige Beispiele:

  • Udo Landbauer – der Spitzenkandidat der FPÖ Niederösterreich – veröffentlichte am 23. November 2017 auf Facebook ein Bild in dem vermittelt wird, der Nikolaus würde in Kindergärten verboten werden. Ein Nikolausverbot gibt es jedoch in Niederösterreichs Kindergärten nicht.
  • Ebenso verunglimpfte Udo Landbauer die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in einer Presseaussendung als „Moslem-Mama-Mikl“.
  • Der Bundesrat Michael Raml wird laut seiner Aussage auf Facebook weiterhin Weihnachtsmarkt statt Wintermarkt sagen. Obwohl unbestritten ist, dass das Wort Weihnachtsmarkt auch weiterhin bestehen bleibt.

Mit diesen Aussagen werden aber nicht nur andere Parteien angegriffen. Die sogenannte „Nikolauslüge“ kursiert bereits seit 2006 jährlich durch (soziale) Medien. Damit werden gezielt Falschinformationen gestreut und ein Keil in die Gesellschaft getrieben. Sie selbst wissen, wie viele Menschen man über soziale Medien erreichen kann. Dieses Vorgehen einzelner Funktionäre schadet dem öffentlichen Diskurs und verunsichert die Bevölkerung. Bereits im Oktober hat NETPEACE mehr Fairness in Sozialen Netzwerken – besonders bei Wahlkampfzeiten – eingefordert. Unterschreiben jetzt auch Sie wie die anderen Parteien den Fairness- und Transparenzpakt für Social Media

Ich appelliere heute an Sie: Sorgen Sie dafür, dass sich ihre Parteikolleginnen und -kollegen in Sozialen Netzwerken fair verhalten. Gerade wenn Ihre Partei künftig Teil der Regierung sein sollte, tragen Sie hier eine besondere Verantwortung. Denn klar ist: Negative Stimmungsmache hat keinen Platz in Österreich – und besonders nicht in der friedlichsten Zeit des Jahres.

Mit besten Grüßen

Was steckt wirklich dahinter?

Das erste Mal tauchte diese „Nikolo-Lüge“ 2006 auf. Dabei wurde jedoch nicht festgeschrieben, dass der Nikolaus nicht mehr in Kindergarten darf. Lediglich wurde damals in Wiener Kindergärten beschlossen keine privaten Nikolaus-Agenturen und kindergartenfremde Personen zu bestellen. Unter anderem auch, weil viele dieser Agenturen darauf setzen, Kindern mit der Figur des Krampus Angst einzujagen.

„Angstmachen und Strafen sind die falschen Erziehungsmethoden.“

Mit diesem Satz argumentierte die damalige Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska 2006. Statt fremden Schauspielern, sollten den Kindern vertraute Personen (also Eltern, PädagogInnen oder Angehörige) die Rolle des Nikolaus übernehmen. Berufsverbot bekam also nicht der Nikolo, sondern der Krampus. Und vor allem: Hausfremde Personen, vor denen sich die Kinder fürchten.

Herr Strache, bitte erinnern Sie ihre Funktionäre an das Fest der Liebe!

Trotzdem wird das Nikolo-Verbot jährlich – häufig von einzelnen Funktionärinnen und Funktionären – der FPÖ verwendet. Sie missbrauchen das Weihnachtsfest und die damit verbundenen Traditionen um negative Stimmung zu machen und verbreiten über Soziale Medien Sujets, die bei Bürgerinnen und Bürgern für Verwirrung sorgen.

Dieses Vorgehen einzelner Funktionäre schadet dem öffentlichen Diskurs und verunsichert der Bevölkerung. Die FPÖ wird voraussichtlich der kommenden österreichischen Bundesregierung angehören und trägt somit eine besondere Verantwortung.

Negative Stimmungsmache hat keinen Platz in Österreich – besonders nicht in der friedlichsten Zeit des Jahres.